Vielen Priestern fehle es an Grundsympathie für ihre Gemeindemitglieder, klagt ein Pastoraltheologe. Manche Geistliche könnten sich nicht damit abfinden, dass die Realitäten, in denen Menschen heute ihr alltägliches Leben führen, nicht mehr ihren Vorstellungen und Interessen entsprechen. [Fundstelle]
Wen wundert's? Priester arbeiten an der "Basis", aber sie werden eher nicht für diese Basis ausgebildet. Hat doch der Priester ein Weiheamt inne, das auch heute noch in gewissem Sinne als herausgehoben gesehen wird, magisch-verdinglicht, so als ob der Geistliche nach der Weihe eine andere "Qualität" hätte und auf einer höheren Stufe stünde als vorher. Denn die Priesterweihe ist ein Sakrament!
Die Ausbildung erfolgt heute zwar nicht mehr ganz so streng kaserniert in einem Priesterseminar, wie es früher einmal war. Doch hat der Zölibat einen hohen, um nicht zu sagen: höchsten Stellenwert. Die Priesteramtskandidaten haben sich also genau von jenen fernzuhalten, für die sie später tätig sein, für die sie Sympathie empfinden sollen, Grundsympathie eben. Das ist ein Spagat, den wohl nur wenige ein Leben lang durchhalten können. Die Fallgeschichten auf www.ilsesixt.de sprechen für sich.
Der indische Jesuit Anthony de Mello hat auch als Therapeut gearbeitet. Er schreibt einmal, wenn ihn Prostituierte zur Beratung aufgesucht hätten, dann sei ihr Hauptthema immer Gott gewesen, bei Priestern hingegen war es der Sex.
Die Rede des Pastoraltheologen über die Priester empfinde ich als sehr "von oben herab" und im Grunde lieblos. Er sollte sich lieber grundsätzliche Gedanken über das Sakramentenverständnis machen und sich für die Aufhebung des Zwangszölibats einsetzen.
Montag, 25. Juli 2016
Sonntag, 24. Juli 2016
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Gott hat eine Menge zu lachen, steht hier. Klingt gut, wird aber nicht näher ausgeführt. Und lädt vielleicht gerade deswegen ein, selber darüber nachzudenken.
Der Artikel bezieht sich am Schluss auf das Christentum. Doch gab es in dessen 2000-jähriger Geschichte wenig zu lachen. Man denke nur an die römisch-kirchliche Gewaltherrschaft: Glaubenskriege, Zwangsbekehrungen, Inquisition. Die Dinge sind sattsam bekannt.
Lachen könnte man allenfalls über die obsolete Verkleidung der katholischen hohen Würdenträger oder dass einer von ihnen gar als unfehlbarer Stellvertreter Gottes auf Erden gilt.
Die Zwangszölibatären haben dagegen weniger zu lachen. Man hat ihnen eine schier unerträgliche Bürde aufgezwungen. Gleiches gilt für Eheleute, die nur zum Zeck der Nachwuchsgenerierung beisammen sein dürfen.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Falls einem das Lachen nicht vergangen ist.
Der Artikel bezieht sich am Schluss auf das Christentum. Doch gab es in dessen 2000-jähriger Geschichte wenig zu lachen. Man denke nur an die römisch-kirchliche Gewaltherrschaft: Glaubenskriege, Zwangsbekehrungen, Inquisition. Die Dinge sind sattsam bekannt.
Lachen könnte man allenfalls über die obsolete Verkleidung der katholischen hohen Würdenträger oder dass einer von ihnen gar als unfehlbarer Stellvertreter Gottes auf Erden gilt.
Die Zwangszölibatären haben dagegen weniger zu lachen. Man hat ihnen eine schier unerträgliche Bürde aufgezwungen. Gleiches gilt für Eheleute, die nur zum Zeck der Nachwuchsgenerierung beisammen sein dürfen.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Falls einem das Lachen nicht vergangen ist.
Samstag, 23. Juli 2016
Vorräte
Das Bistum Fulda ist mit einem Vermögen von 615 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Bistümern eher arm. [Fundstelle]
Der Jahresgewinn 2014 von 4,8 Millionen Euro werde komplett in Rücklagen abgeführt, heißt es.
Wie denn das? Jesus hatte eine Gruppe von 72 seiner Anhänger ausgesandt zu predigen und zu heilen und zu ihnen gesagt: Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe. Die Kirche hat sich diese Haltung nicht zu eigen gemacht, sie mischt sich lieber in das Eheleben der sogenannten Gläubigen ein.
Sollte man nicht erwarten können, dass ein Teil des Jahresgewinns zum Beispiel an Misereor abgeführt wird? Man scheut sich nicht, bei den Menschen zu betteln und sollte mit gutem Beispiel vorangehen.
Der Jahresgewinn 2014 von 4,8 Millionen Euro werde komplett in Rücklagen abgeführt, heißt es.
Wie denn das? Jesus hatte eine Gruppe von 72 seiner Anhänger ausgesandt zu predigen und zu heilen und zu ihnen gesagt: Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe. Die Kirche hat sich diese Haltung nicht zu eigen gemacht, sie mischt sich lieber in das Eheleben der sogenannten Gläubigen ein.
Sollte man nicht erwarten können, dass ein Teil des Jahresgewinns zum Beispiel an Misereor abgeführt wird? Man scheut sich nicht, bei den Menschen zu betteln und sollte mit gutem Beispiel vorangehen.
Freitag, 22. Juli 2016
Die Würde der Frau
Die katholische Kirche hat für Maria Magdalena ein eigenes Fest eingeführt, denn schon die Kirchenväter nannten sie "Apostelin der Apostel". Vgl.
An anderer Stelle wird verlautbart, dass der aktuelle kirchliche Kontext dazu aufrufe, tiefer über die Würde der Frau nachzudenken. Maria Magdalena sei das Beispiel einer wahren, authentischen Verkünderin der frohen Botschaft: einer Evangelistin, die die frohmachende, zentrale Botschaft von Ostern verkündet.
Blablabla.
Klingt alles sehr gut und ändert doch nichts an der Tatsache, dass eine Frau in der katholischen Kirche kein Weiheamt empfangen darf. Denn Jesus war ein Mann, so die seltsame biologische Argumentation.
Man mag noch so sehr über die Würde der Frau predigen, schreiben und verkünden. De facto wird die Würde der Frau vom Vatikan nicht wirklich anerkannt. Eine Schande im 21. Jahrhundert.
An anderer Stelle wird verlautbart, dass der aktuelle kirchliche Kontext dazu aufrufe, tiefer über die Würde der Frau nachzudenken. Maria Magdalena sei das Beispiel einer wahren, authentischen Verkünderin der frohen Botschaft: einer Evangelistin, die die frohmachende, zentrale Botschaft von Ostern verkündet.
Blablabla.
Klingt alles sehr gut und ändert doch nichts an der Tatsache, dass eine Frau in der katholischen Kirche kein Weiheamt empfangen darf. Denn Jesus war ein Mann, so die seltsame biologische Argumentation.
Man mag noch so sehr über die Würde der Frau predigen, schreiben und verkünden. De facto wird die Würde der Frau vom Vatikan nicht wirklich anerkannt. Eine Schande im 21. Jahrhundert.
Donnerstag, 21. Juli 2016
Eunuchisierung
Und immer wieder Amoris Laetitia: Die Freude der Liebe oder so ...
Das Schreiben enthalte Irrtümer, meinen 45 Theologen, der Papst solle sich doch (gefälligst?) um deren Beseitigung kümmern. Welche Irrtümer denn? Etwa, dass der Papst nicht wie einer seiner Vorgänger verlangt, die wiederverheirateten Geschiedenen müssten wie Bruder und Schwester zusammenleben, falls sie die Sakramente empfangen wollten. Will man den Eheleuten die zölibatäre Lebensweise der kirchlichen Amtsträger überstülpen? Oder will man sie gar eunuchisieren?
Wie auch immer: Der ganze Hick-hack der Theologen und Amtsinhaber ist Nonsens.
Man hat die Ehe zu einem verdinglichten Sakrament hochstilisiert. Und von dieser Position kommt die Kirche nicht so leicht runter. Selbstverständlich kann die Ehe als Sakrament gesehen werden, das ist unbestritten, so wie auch die Teekanne des Leonardo Boff ein Sakrament ist, weil sie nämlich auf etwas anderes, auf Dahinterliegendes hinweist.
Wenn die Verhältnisse nicht mit der Kirchendoktrin übereinstimmen, umso schlimmer für diese Verhältnisse. Fiat iustitia, pereat mundus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Ach, wie war das noch vor 2000 Jahren? Da sagte man doch: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er (Jesus nämlich) sterben.
Das Schreiben enthalte Irrtümer, meinen 45 Theologen, der Papst solle sich doch (gefälligst?) um deren Beseitigung kümmern. Welche Irrtümer denn? Etwa, dass der Papst nicht wie einer seiner Vorgänger verlangt, die wiederverheirateten Geschiedenen müssten wie Bruder und Schwester zusammenleben, falls sie die Sakramente empfangen wollten. Will man den Eheleuten die zölibatäre Lebensweise der kirchlichen Amtsträger überstülpen? Oder will man sie gar eunuchisieren?
Wie auch immer: Der ganze Hick-hack der Theologen und Amtsinhaber ist Nonsens.
Man hat die Ehe zu einem verdinglichten Sakrament hochstilisiert. Und von dieser Position kommt die Kirche nicht so leicht runter. Selbstverständlich kann die Ehe als Sakrament gesehen werden, das ist unbestritten, so wie auch die Teekanne des Leonardo Boff ein Sakrament ist, weil sie nämlich auf etwas anderes, auf Dahinterliegendes hinweist.
Wenn die Verhältnisse nicht mit der Kirchendoktrin übereinstimmen, umso schlimmer für diese Verhältnisse. Fiat iustitia, pereat mundus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Ach, wie war das noch vor 2000 Jahren? Da sagte man doch: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er (Jesus nämlich) sterben.
Dienstag, 12. Juli 2016
Revolutionär
Ratzinger sei ein Revolutionär, sagte Franziskus. In gewisser Weise war sein Rücktritt vom Papstamt ein mutiger Schritt, zumindest hat es "so etwas" seit langer, langer Zeit nicht mehr gegeben.
Ratzinger hat den "heiligen Stuhl" geräumt und die Arbeit seinem Nachfolger überlassen. Aber er hat nicht auf seine weiße Soutane und sein Pallium verzichtet, nicht auf den Anulus piscatoris, den Fischerring, und nicht auf die Anrede Heiliger Vater.
Also war der Rücktritt kein wirklicher Rücktritt, und es war nur eine halbe Revolution.
Ratzinger hat den "heiligen Stuhl" geräumt und die Arbeit seinem Nachfolger überlassen. Aber er hat nicht auf seine weiße Soutane und sein Pallium verzichtet, nicht auf den Anulus piscatoris, den Fischerring, und nicht auf die Anrede Heiliger Vater.
Also war der Rücktritt kein wirklicher Rücktritt, und es war nur eine halbe Revolution.
Montag, 4. Juli 2016
Gänswein und Müller - die zwei
Gänswein hatte spekuliert, es gebe nach dem Rücktritt von Ratzinger zwar keine zwei Päpste, aber de facto ein "erweitertes Amt - mit einem aktiven und einem kontemplativen Teilhaber". Ratzinger habe das "personale Amt ... ergänzt um eine kollegiale und synodale Dimension, als einen quasi gemeinsamen Dienst".
Wer sich wundert, woher solche Spekulationen kommen könnten, möge in einem Interview des Chefs der obersten Glaubensbehörde, Müller, nachlesen, das in Herder-Korrespondenz Juni/2016 abgedruckt ist. Dort sprach er von der "Repräsentanz der leitenden Kleriker der römischen Kirche, der Kardinäle, die den Primat des Papstes mittragen und ihm schon im Rahmen der römischen Kirche ein dem Primat inhärentes synodales Gepräge geben".
Es ist doch interessant, wie man dem sonst so monolithisch anmutenden Papstamt, dessen Inhaber sogar Infallibilität zugesprochen wird, nun ein synodales Gepräge gibt oder geben will.
Versucht man etwa Franziskus auf diese Weise zu domestizieren? Nämlich dadurch, dass bei seinen Entscheidungen auch noch andere in synodaler Weise mitentscheiden dürfen oder gar müssen? Gänswein und Müller sind immerhin zwei Prälaten, die mit Ratzinger in enger Verbindung stehen. Müller gibt die Schriften Ratzingers heraus, Gänswein ist Vertrauter Ratzingers und arbeitet auch dem neuen Papst zu.
Interessant ist, dass Ratzinger die Einlassungen Gänsweins nicht korrigiert hat. Die Korrektur überließ er seinem Nachfolger Franziskus.
Honi soi qui mal y pense.
Wer sich wundert, woher solche Spekulationen kommen könnten, möge in einem Interview des Chefs der obersten Glaubensbehörde, Müller, nachlesen, das in Herder-Korrespondenz Juni/2016 abgedruckt ist. Dort sprach er von der "Repräsentanz der leitenden Kleriker der römischen Kirche, der Kardinäle, die den Primat des Papstes mittragen und ihm schon im Rahmen der römischen Kirche ein dem Primat inhärentes synodales Gepräge geben".
Es ist doch interessant, wie man dem sonst so monolithisch anmutenden Papstamt, dessen Inhaber sogar Infallibilität zugesprochen wird, nun ein synodales Gepräge gibt oder geben will.
Versucht man etwa Franziskus auf diese Weise zu domestizieren? Nämlich dadurch, dass bei seinen Entscheidungen auch noch andere in synodaler Weise mitentscheiden dürfen oder gar müssen? Gänswein und Müller sind immerhin zwei Prälaten, die mit Ratzinger in enger Verbindung stehen. Müller gibt die Schriften Ratzingers heraus, Gänswein ist Vertrauter Ratzingers und arbeitet auch dem neuen Papst zu.
Interessant ist, dass Ratzinger die Einlassungen Gänsweins nicht korrigiert hat. Die Korrektur überließ er seinem Nachfolger Franziskus.
Honi soi qui mal y pense.
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