Der Priester war fest entschlossen, dem Meister eine unzweideutige Glaubensaussage über Gott zu entlocken.
Glaubst du, daß es einen Gott gibt?
Natürlich glaube ich das, antwortete der Meister.
Und daß er alles geschaffen hat, glaubst du das?
Ja, ja, sagte der Meister, bestimmt glaube ich das.
Und wer hat Gott geschaffen?
Du, erwiderte der Meister.
Der Prediger schaute ihn entgeistert an. Willst du mir im Ernst erzählen, daß ich Gott geschaffen habe?
Den, über den du ständig nachdenkst und sprichst - ja!" sagte der Meister ruhig.
[Anthony de Mello]
Sonntag, 6. September 2015
Die Macht der Worte
Von allen zerstörerischen Waffen, die der Mensch erfunden hat, ist die schlimmste - und die feigste - das Wort.
Dolche und Feuerwaffen hinterlassen eine Spur aus Blut, Bomben zerstören Häuser und Straßen. Gift kann festgestellt werden.
Der Meister sagt:
Das Wort zerstört, ohne Spuren zu hinterlassen. Kinder werden jahrelang von ihren Eltern dressiert, Männer werden erbarmungslos kritisiert, Frauen werden systematisch von den Bemerkungen ihrer Männer erniedrigt. Gläubige werden von denen von der Religion ferngehalten, die glauben, allein sie könnten Gottes Worte deuten.
Finde heraus, ob du diese Waffe gegen andere benutzt. Finde heraus, ob andere diese Waffe gegen dich benutzen. Und lasse weder das eine noch das andere zu.
[Paul Coellho: Unterwegs. Der Wanderer]
Dolche und Feuerwaffen hinterlassen eine Spur aus Blut, Bomben zerstören Häuser und Straßen. Gift kann festgestellt werden.
Der Meister sagt:
Das Wort zerstört, ohne Spuren zu hinterlassen. Kinder werden jahrelang von ihren Eltern dressiert, Männer werden erbarmungslos kritisiert, Frauen werden systematisch von den Bemerkungen ihrer Männer erniedrigt. Gläubige werden von denen von der Religion ferngehalten, die glauben, allein sie könnten Gottes Worte deuten.
Finde heraus, ob du diese Waffe gegen andere benutzt. Finde heraus, ob andere diese Waffe gegen dich benutzen. Und lasse weder das eine noch das andere zu.
[Paul Coellho: Unterwegs. Der Wanderer]
Samstag, 5. September 2015
Gottesdienst
Der Gottesdienstbesuch sei sehr zurückgegangen, wird geklagt, fast 12 Millionen "Besuche" jährlich waren es in den 50er Jahren, jetzt sind es 2,6 Millionen, nur an den Hochfesten sind die Kirchen gerammelt voll.
Gottesdienstbesuch? Der Pfarrer "liest seine Messe", die (mehr oder weniger) Gläubigen besuchen die Veranstaltung. Manchmal singt der Kirchenchor.
Seltsam: Sollte die Messfeier nicht etwas Gemeinsames sein, ein Mahl, eine Gedächtnisfeier derjenigen, die Jesu Worte ernst nehmen. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", soll Jesus gesagt haben.
Wie ist die Realität? Man betritt den Kirchenraum, stellt sich auf einen freien Platz in einer Kirchenbank, die Anwesenden nehmen den Neueintretenden meist kaum zur Kenntnis, man wartet schweigend, bis ein Glockenzeichen den Eintritt des Pfarrers ankündigt. Die Messe beginnt. Viel später, irgendwann kurz vor Ende der Veranstaltung, werden die Anwesenden aufgefordert, sich den umstehenden Nachbarn zuzuwenden und sich gegenseitig Frieden zu wünschen. "Friede sei mit dir!" Da endlich schaut man sich an, nimmt voneinander Notiz. Vielleicht lächelt man sogar.
Und das Mahl? Das Mahl erschöpft sich in einer "Kommunionausteilung", die Gottesdienstbesucher gehen nach vorn, wo der Pfarrer oder einer seiner Helfer ihnen eine Hostie überreicht. Der Pfarrer hat seine Hostie schon vorher gegessen, es ist ja auch "seine" Messe, da darf man das um Gottes Willen nicht als Unhöflichkeit interpretieren.
Solange man die Menschen so "abspeist", wird auch eine Neu-Evangelisierung, von der Kurienmann Müller gern spricht, nichts ändern.
Gottesdienstbesuch? Der Pfarrer "liest seine Messe", die (mehr oder weniger) Gläubigen besuchen die Veranstaltung. Manchmal singt der Kirchenchor.
Seltsam: Sollte die Messfeier nicht etwas Gemeinsames sein, ein Mahl, eine Gedächtnisfeier derjenigen, die Jesu Worte ernst nehmen. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", soll Jesus gesagt haben.
Wie ist die Realität? Man betritt den Kirchenraum, stellt sich auf einen freien Platz in einer Kirchenbank, die Anwesenden nehmen den Neueintretenden meist kaum zur Kenntnis, man wartet schweigend, bis ein Glockenzeichen den Eintritt des Pfarrers ankündigt. Die Messe beginnt. Viel später, irgendwann kurz vor Ende der Veranstaltung, werden die Anwesenden aufgefordert, sich den umstehenden Nachbarn zuzuwenden und sich gegenseitig Frieden zu wünschen. "Friede sei mit dir!" Da endlich schaut man sich an, nimmt voneinander Notiz. Vielleicht lächelt man sogar.
Und das Mahl? Das Mahl erschöpft sich in einer "Kommunionausteilung", die Gottesdienstbesucher gehen nach vorn, wo der Pfarrer oder einer seiner Helfer ihnen eine Hostie überreicht. Der Pfarrer hat seine Hostie schon vorher gegessen, es ist ja auch "seine" Messe, da darf man das um Gottes Willen nicht als Unhöflichkeit interpretieren.
Solange man die Menschen so "abspeist", wird auch eine Neu-Evangelisierung, von der Kurienmann Müller gern spricht, nichts ändern.
Freitag, 4. September 2015
Ablaß
Im Heiligen Jahr wird vom Heiligen Vater die Heilige Pforte geöffnet, damit die Gläubigen, wenn sie diese Pforte durchschreiten, einen Ablaß gewinnen können. Kostenlos. Falls sie die Rahmenbedingungen - Beichte und Kommunion - erfüllt haben.
Kranke, Behinderte oder Gefangene müssen dazu nicht eigens nach Rom kommen, Die heilige Pforte mag dann zum Beispiel die Tür zu ihrer Gefängniszelle sein.
Nur die Exkommunizierten haben diese Möglichkeit nicht, sie haben halt Pech. Haben sich ihre Situation zudem selbst zuzuschreiben.
Der Papst versucht erneut, ein Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen. Aber es gelingt nicht wirklich, denn er merkt nicht, wie sehr er noch im Mittelalter gefangen ist. Ablaßhandel wie seinerzeit wird zwar nicht mehr betrieben, aber die Kirchenführung bleibt im Außen, ist mir ihrer Werkgerechtigkeit zufrieden.
Es gelingt dem Papst nicht, über seine in vielen jesuitischen Jahren eingeübte "Denke" zu springen. Er spürt zwar, daß sich vieles ändern muß, doch hat er nicht den Blick für das wirklich Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht außen, sondern innen.
Kranke, Behinderte oder Gefangene müssen dazu nicht eigens nach Rom kommen, Die heilige Pforte mag dann zum Beispiel die Tür zu ihrer Gefängniszelle sein.
Nur die Exkommunizierten haben diese Möglichkeit nicht, sie haben halt Pech. Haben sich ihre Situation zudem selbst zuzuschreiben.
Der Papst versucht erneut, ein Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen. Aber es gelingt nicht wirklich, denn er merkt nicht, wie sehr er noch im Mittelalter gefangen ist. Ablaßhandel wie seinerzeit wird zwar nicht mehr betrieben, aber die Kirchenführung bleibt im Außen, ist mir ihrer Werkgerechtigkeit zufrieden.
Es gelingt dem Papst nicht, über seine in vielen jesuitischen Jahren eingeübte "Denke" zu springen. Er spürt zwar, daß sich vieles ändern muß, doch hat er nicht den Blick für das wirklich Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht außen, sondern innen.
Donnerstag, 3. September 2015
Meditation
Meditiere über das Zwiegespräch zwischen Meister und Schüler:
HÖRST DU DAS RAUSCHEN DES FLUSSES?
JA.
DAS IST DER WEG.
Meditiere nur dies. Meditieren heißt: Achtgeben. Aufmerksamsein. Aufmerksamkeit heißt: Nichts anderes tun als: Sitzen. Atmen. Aufgerichtet sein. Im Hara sein. Den Text hören, ihn er-hören. Der Text sein. Bis er zu einem Sound wird. Dieser Sound werden. Der Text beginnt dann nicht mehr mit dem Wort "Hörst" und endet nicht mehr mit "Weg". Alle Worte sind in dem Fluß, und der Fluß rauscht, und es ist e i n Rauschen.
Krishnamurti: Meditation ist wie der Fluß. Er kann nicht gezähmt werden, er fließt und fließt und überströmt seine Ufer. Er ist Musik ohne Klang. Er ist das Schweigen, in dem der Beobachter - sobald er eintaucht in ihn - aufhört zu sein.
[Joachim Ernst Berendt: Das Dritte Ohr, S. 361 ff]
HÖRST DU DAS RAUSCHEN DES FLUSSES?
JA.
DAS IST DER WEG.
Meditiere nur dies. Meditieren heißt: Achtgeben. Aufmerksamsein. Aufmerksamkeit heißt: Nichts anderes tun als: Sitzen. Atmen. Aufgerichtet sein. Im Hara sein. Den Text hören, ihn er-hören. Der Text sein. Bis er zu einem Sound wird. Dieser Sound werden. Der Text beginnt dann nicht mehr mit dem Wort "Hörst" und endet nicht mehr mit "Weg". Alle Worte sind in dem Fluß, und der Fluß rauscht, und es ist e i n Rauschen.
Krishnamurti: Meditation ist wie der Fluß. Er kann nicht gezähmt werden, er fließt und fließt und überströmt seine Ufer. Er ist Musik ohne Klang. Er ist das Schweigen, in dem der Beobachter - sobald er eintaucht in ihn - aufhört zu sein.
[Joachim Ernst Berendt: Das Dritte Ohr, S. 361 ff]
Mittwoch, 2. September 2015
Barmherzigkeit?
Der Papst gibt sich alle Mühe, seiner Barmherzigkeit freien Lauf zu lassen.
Wie in der einschlägigen Presse zu lesen ist, "erlaubt" der Papst für befristete Zeit allen Priestern, Frauen die Sünde der Abtreibung zu vergeben. Wer abgetrieben oder auch wer eine Frau zur Abtreibung gedrängt hat, unterliegt automatisch der Exkommunikation. Davon können normalerweise nur der Bischof oder von ihm beauftragte Priester befreien, erst dann können die Betroffenen zur Beichte gehen.
Ist das nicht horrend? Zum einen: Alle Priester sollen im Heiligen Jahr (im Jahr der Barmherzigkeit) einer Frau die Abtreibung "vergeben" können! Eine Anmaßung, die ihresgleichen sucht. Vergeben, wenn es denn etwas zu vergeben gibt, kann allenfalls Gott. Zum anderen: Die vom Papst "gut gemeinte" Erlaubnis erlaubt einen Blick in tiefste Abgründe. So schlimm ist eine Abtreibung, daß sie mit der Exkommunikation belegt werden muß. Wenn aber ein geweihter Kirchenmann einen jungen Menschen mißbraucht und damit dessen Seele unermeßlichen Schaden zufügt, dann braucht er nur zu "bereuen" und zur Beichte zu gehen, und die Sache ist kirchenrechtlich erledigt. So war es zumindest bisherige Praxis. Was steht dazu im Neuen Testament? Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde ...
Franziskus in seiner großen Güte nähert sich auch der umstrittenen Pius-Bruderschaft an. Noch der Ratzinger-Papst hatte sie exkommuniziert, die Exkommunikation kurz vor seinem Ruhestand aber wieder aufgehoben. Nun werde "erlaubt", daß Mitglieder dieser Bruderschaft während des sogenannten Heiligen Jahres das Bußsakrament in gültiger Weise spenden können.
Ich kann mich bei all dem eines seltsamen Gefühls nicht erwehren.
[vgl. http://www.hna.de/welt/papst-priester-duerfen-suende-abtreibung-vergeben-zr-5464340.html]
Wie in der einschlägigen Presse zu lesen ist, "erlaubt" der Papst für befristete Zeit allen Priestern, Frauen die Sünde der Abtreibung zu vergeben. Wer abgetrieben oder auch wer eine Frau zur Abtreibung gedrängt hat, unterliegt automatisch der Exkommunikation. Davon können normalerweise nur der Bischof oder von ihm beauftragte Priester befreien, erst dann können die Betroffenen zur Beichte gehen.
Ist das nicht horrend? Zum einen: Alle Priester sollen im Heiligen Jahr (im Jahr der Barmherzigkeit) einer Frau die Abtreibung "vergeben" können! Eine Anmaßung, die ihresgleichen sucht. Vergeben, wenn es denn etwas zu vergeben gibt, kann allenfalls Gott. Zum anderen: Die vom Papst "gut gemeinte" Erlaubnis erlaubt einen Blick in tiefste Abgründe. So schlimm ist eine Abtreibung, daß sie mit der Exkommunikation belegt werden muß. Wenn aber ein geweihter Kirchenmann einen jungen Menschen mißbraucht und damit dessen Seele unermeßlichen Schaden zufügt, dann braucht er nur zu "bereuen" und zur Beichte zu gehen, und die Sache ist kirchenrechtlich erledigt. So war es zumindest bisherige Praxis. Was steht dazu im Neuen Testament? Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde ...
Franziskus in seiner großen Güte nähert sich auch der umstrittenen Pius-Bruderschaft an. Noch der Ratzinger-Papst hatte sie exkommuniziert, die Exkommunikation kurz vor seinem Ruhestand aber wieder aufgehoben. Nun werde "erlaubt", daß Mitglieder dieser Bruderschaft während des sogenannten Heiligen Jahres das Bußsakrament in gültiger Weise spenden können.
Ich kann mich bei all dem eines seltsamen Gefühls nicht erwehren.
[vgl. http://www.hna.de/welt/papst-priester-duerfen-suende-abtreibung-vergeben-zr-5464340.html]
Dienstag, 1. September 2015
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